Donnerstag, 21. Mai 2026

Abschied von Dr. Gerhard Liebig

 

Dr. Gerhard Liebig ist am 19. Mai 2026 verstorben. Mit ihm verlieren die Imkerei und die Bienenkunde eine der prägenden Stimmen der letzten Jahrzehnte. Viele Imkerinnen und Imker kennen ihn durch seine Bücher, Vorträge, Kurse, Videos und durch seine klare, oft zugespitzte, aber stets am Bienenvolk orientierte Art, Dinge zu erklären.

Gerhard Liebig stand für eine einfache und zugleich anspruchsvolle Haltung: „Wer beobachtet, weiß Bescheid.“ Dieser Satz war bei ihm kein bloßer Spruch, sondern Arbeitsprinzip. Er schaute genau hin, zählte, verglich, prüfte und leitete daraus Empfehlungen ab, die für die imkerliche Praxis verständlich und umsetzbar waren. Ob Waldtracht, Volksentwicklung, Varroadiagnose, Jungvolkbildung oder Betriebsweise – im Mittelpunkt stand für ihn immer das Bienenvolk selbst.

Sein Weg zur Bienenkunde führte über die Blattläuse. Von 1970 bis 1975 studierte er Agrarbiologie an der Universität Hohenheim. Am Institut für Phytomedizin beschäftigte er sich in seiner Diplomarbeit und später in seiner Doktorarbeit mit Blattläusen. Über diese Blattläuse kam er zu den Bienen, denn auf Fichte und Tanne leben auch bienenwirtschaftlich wichtige Honigtauerzeuger. Aus dieser Verbindung entstand eines seiner großen Lebensthemen: die Waldtracht.

Über viele Jahre beobachtete er die Entwicklung von Honigtauerzeugern, Witterung, Trachtverlauf und Bienenvölkern. Diese Verbindung aus Freilandbeobachtung, biologischem Verständnis und imkerlicher Anwendung prägte seine gesamte spätere Arbeit. Waldtracht war für ihn nicht nur eine Frage des Honigertrags, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Umwelt, Lausentwicklung, Baumphysiologie, Wetter und Bienenvolk.

Ein weiterer Schwerpunkt seines Wirkens war die Entwicklung von Bienenvölkern. Gerhard Liebig wollte nicht nur wissen, dass ein Volk stark oder schwach war, sondern warum es sich so entwickelte. Populationsschätzungen waren für ihn deshalb ein zentrales Werkzeug. Wer mit ihm an den Völkern stand, erlebte, wie konsequent er Bienen, Brut, Futter, Tracht und Varroabefall zusammendachte. Daraus entstand eine Bienenkunde, die nicht vom Rezept, sondern vom Verständnis des Volkes ausging.

Diese Denkweise prägte auch seine Empfehlungen zur Varroabekämpfung und zur Betriebsweise. Konzepte wie die Hohenheimer Betriebsweise, die Völkervermehrung in vier Schritten oder „Teilen und behandeln“ waren für ihn keine komplizierten Sonderwege, sondern praktische Konsequenzen aus der Biologie des Bienenvolkes. Brutfreie Phasen, Jungvolkbildung, Schröpfen, Drohnenbrutentnahme und rechtzeitige Behandlung wurden zu Bausteinen einer einfachen, nachvollziehbaren und verantwortbaren Imkerei.

Gerhard Liebig war aber nicht nur Wissenschaftler. Er war vor allem auch Vermittler. Seine Bücher, allen voran Einfach imkern, haben vielen Menschen den Einstieg in die Bienenhaltung erleichtert. Er konnte komplexe Zusammenhänge verständlich machen, ohne sie beliebig zu vereinfachen. Viele Jungimkerinnen und Jungimker wurden durch seine Kurse, Texte und Videos geprägt. Wer Fragen stellte, erhielt meist eine Antwort – auch dann, wenn dieselbe Frage schon viele Male gestellt worden war.

Ich durfte Gerhard in Hohenheim persönlich erleben und später dabei helfen, sein Wissen digital zugänglich zu machen. Die Website immelieb.de wurde als Ort aufgebaut, an dem seine Hinweise, Texte, Termine, Videos und Gedanken zur Imkerei gebündelt werden konnten. Die ersten im Archiv sichtbaren Beiträge erschienen im Februar 2013 – mit Themen, die sehr typisch für Gerhard waren: Restentmilbung mit Oxalsäure, der milde Winter, die Frage nach dem Zustand der Völker und der nahende Frühling am Bienenstand.

Wenig später nutzte ich auch einen bereits bestehenden eigenen YouTube-Kanal für immelieb.de und pflegte ihn fortan weiter. Das erste dort veröffentlichte Video, Der Schlupf einer jungen Bienenkönigin, erschien am 6. April 2013. Gefilmt hatte diesen ganz besonderen Moment Gerhard selbst. Rückblickend passt dieser Anfang sehr gut zu ihm: beobachten, festhalten, zeigen.

Wer Gerhard Liebig kannte, wusste, wie konsequent er arbeitete. Bei Populationsschätzungen sprach er die erhobenen Daten auf Band. Am Bienenstand hatte er dafür stets seinen Aktenkoffer dabei. Wenn er am späten Nachmittag oder Abend von Außenständen zurückkam, die über ganz Baden-Württemberg verteilt lagen, traf man ihn oft noch im Büro an – beim Eintippen der Daten, beim Prüfen der Zahlen oder bei den ersten Auswertungen.

Diese Sorgfalt endete nicht mit dem Arbeitstag. Wochenenden, Urlaub oder feste Bürozeiten schienen für ihn kaum eine Rolle zu spielen, wenn es um Bienen, Daten oder imkerliche Fragen ging. Er beantwortete E-Mails zuverlässig, auch wenn Fragen noch so redundant waren. Selbst bei der wiederholten Nachfrage eines Jungimkers blieb er geduldig, sachlich und fachmännisch. Dahinter stand keine Selbstdarstellung, sondern ein tiefes Verantwortungsgefühl gegenüber den Bienen und gegenüber den Menschen, die mit ihnen arbeiten wollten.

Gerhard Liebig bei einer Populationsschätzung im Mais mit schwarzem Aktenkoffer.

Populationsschätzung an Versuchsvölkern im Mais: Der schwarze Aktenkoffer mit dem Diktiergerät gehörte für Gerhard Liebig ebenso selbstverständlich zum Bienenstand wie Stockmeißel und Smoker.

Ein besonderes Anliegen war ihm die Ausbildung von Jungimkerinnen und Jungimkern – in Hohenheim, später an der Ruhr-Universität Bochum und auch weit darüber hinaus. Wer mit den ersten Völkern Fehler machte, wer eine Königin verlor oder eine Maßnahme falsch verstanden hatte, wurde nicht abgekanzelt. Gerhard erklärte geduldig ein zweites oder drittes Mal, was zu tun war, und führte zurück zur Sache: zum Volk, seiner Entwicklung und den einfachen, richtigen Handgriffen.

Auch für mich wurde „Einfach imkern“ auf persönliche Weise Teil meines imkerlichen Weges. Als um 2008/2009 in Hohenheim die zweite Auflage erschien, brachte Gerhard Liebig jedem Hiwi an der Landesanstalt ein Exemplar mit. Mir drückte er es mit Studentenrabatt zum halben Preis in die Hand – obwohl ich es damals eigentlich gar nicht haben wollte. Erst später merkte ich, wie viel Substanz in diesem scheinbar einfachen Buch steckte.

Auch nach meiner Hohenheimer Zeit blieb der Kontakt bestehen. Im Jahr 2016 lud ich Gerhard zu einem Vortrag nach Pforzheim ein, in meine damalige Firma, in der ich als Imkerkoordinator und Leiter der Imkerei tätig war. Das Foto zu diesem Beitrag entstand bei diesem Treffen. Es erinnert mich daran, wie selbstverständlich Gerhard auch nach seiner Hohenheimer Zeit bereit war, sein Wissen weiterzugeben – direkt, praxisnah und ohne große Umwege.

Gerhard Liebig und Richard Odemer bei einem Vortragstreffen in Pforzheim 2016.

Gerhard Liebig und Richard Odemer bei einem Vortragstreffen in Pforzheim im Jahr 2016. Gerhard Liebig blieb auch nach seiner Hohenheimer Zeit ein gefragter Vermittler praxisnaher Bienenkunde.

Auch seine praktische Seite ist mir lebendig in Erinnerung. Einmal waren wir früh morgens zum Abwandern seiner Völker auf der Schwäbischen Alb verabredet. Mit der alten Pritsche, unserem orangenen Dienstwagen, holten wir zwölf Völker ab. Gerhard zeigte mir, wie man sie mit speziellen Wandergurten richtig sichert – ruhig, selbstverständlich und Handgriff für Handgriff. Als Proviant gab es eine Tüte Äpfel. Ich hatte von den Vortagen aus meinem eigenen Diplomarbeitsprojekt noch schmerzhafte Bienenstiche im Gesicht, das deutlich angeschwollen war. Gerhard kommentierte das nicht weiter. Die Aufmerksamkeit lag bei den Völkern, bei der Arbeit und bei der Frage, ob alles richtig gemacht war.

Bienenstand in Deizisau mit alter orangener Pritsche.

Bienenstand in Deizisau mit der alten orangenen Pritsche, die bei Außenständen, Materialtransporten und Wanderungen regelmäßig im Einsatz war.

Eine andere Erinnerung beschreibt seine Art vielleicht noch besser. Bei einem Schätztermin im Mai an einem seiner Bienenstände in Deizisau fielen uns Sammlerinnen mit auffallend strahlend blauen Pollenhöschen auf. Eine ungewöhnliche Farbe. Phacelia kam nicht infrage, dafür war es zu früh und in der Umgebung war keine angebaut. Wir beließen es nicht bei Vermutungen, sondern gingen die angrenzenden Felder und Streuobstwiesen ab. Tatsächlich fanden wir in Bodennähe größere blühende Bestände von Blaustern (Scilla spp.), die von den Bienen beflogen wurden. Für mich ist diese kleine Szene bis heute bezeichnend für Gerhard Liebig: nicht vorschnell erklären, sondern hinschauen, prüfen, suchen – und dann verstehen.

Seit November 2025 veröffentliche ich auf immelieb.de wieder eigene Beiträge zu bienenrelevanten Themen und zu meiner Forschung am Julius Kühn-Institut. Diese neuen Texte sollen Gerhards Inhalte nicht ersetzen. Sie stehen in einer anderen Zeit, unter anderen Fragestellungen und aus meiner eigenen fachlichen Perspektive. Aber sie folgen dem Wunsch, diese Seite nicht verwaisen zu lassen und weiterhin einen Ort zu erhalten, an dem Beobachtung, Forschung und imkerliche Praxis zusammenkommen.

immelieb.de soll deshalb bestehen bleiben: als Archiv von Gerhard Liebigs Wissen, seiner Texte, Hinweise und Videos – und zugleich als behutsam weitergeführter Ort für bienenkundliche Themen. Die bestehenden Inhalte sollen erhalten und, soweit möglich, gepflegt werden. Neue Beiträge werden klar als neue Beiträge erscheinen und dazu beitragen, die Seite lebendig und fachlich nutzbar zu halten.

Gerhard Liebigs Vermächtnis liegt nicht nur in einzelnen Büchern, Videos, Geräten oder Betriebsweisen. Es liegt vor allem in einer Haltung: genau hinschauen, regelmäßig beobachten, die Entwicklung des Volkes verstehen und daraus einfache, verantwortbare Entscheidungen ableiten.

Die Imkerei hat ihm viel zu verdanken – und ich persönlich ganz besonders.

Danke, Gerhard.

 

(c)  immelieb.de

Sonntag, 9. November 2025

Tätigkeitsbericht 2024 jetzt online Deutscher Imkerbund

Translator
Translator

 


Fachvortrag Pufferzonen und Naturschutzgebiete

Translator


DIB Kompakt

Translator

 

dib Aktuell

Translator
Translator

 


Gemeinsam gegen Honigbetrug – ein internationales Statement

Translator
Translator

 

Honig ist ein Naturprodukt – und zunehmend Ziel von Fälschern. Ein Bündnis von Verbänden fordert nun schärfere Regeln, moderne Analysen und mehr Transparenz. Der Deutsche Imkerbund hat dabei mitgewirkt.

Honig ist mehr als ein Lebensmittel. Er ist das Ergebnis fleißiger Bienenarbeit und Imkerei sowie Ausdruck einer jahrtausendealten Kultur. Umso schwerer wiegt es, dass der internationale Honigmarkt seit Jahren unter Fälschungen leidet. Betrüger mischen Sirup bei, manipulieren Herkunftsangaben oder tricksen mit Dokumenten. Leidtragende sind nicht nur Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern vor allem die Imkerinnen und Imker, deren echtes Produkt im Wettbewerb unter Druck gerät.

Nun haben Apimondia, Copa-Cogeca, BeeLife, und der Europäische Berufsimkerbund ein Statement zu Honigbetrug veröffentlicht. Der Deutsche Imkerbund hat über Copa-Cogeca an der Erarbeitung dieses Dokuments mitgewirkt. Damit setzt der D.I.B. ein deutliches Signal für den Schutz echten Honigs – in Europa und weltweit.

Klare Regeln für echten Honig

Ein Kernpunkt des Statements: Es braucht eine eindeutige, international gültige Definition von „Honig“. Existierende Standards sind uneinheitlich und oft nicht verpflichtend in den einzelnen Ländern.

Zugleich fordern wir moderne Kontrollmethoden. Noch immer gibt es in der EU nur eine veraltete offizielle Analyse, die moderne Fälschungen nicht aufdecken kann. Nötig ist eine Kombination von Verfahren, die auf dem neuesten Stand der Wissenschaft sind und entsprechend validiert wurden.

Wissen, woher der Honig kommt

Echtheit beginnt an der Quelle. Deshalb schlagen wir eine internationale Datenbank mit authentischen Honigproben vor – also keine Datenbank, die nur einem privaten Labor gehört. Damit sich Verfälschungen zweifelsfrei nachweisen lassen, muss genügend Vergleichsmaterial aus unterschiedlichen Ländern, Trachten und Erntezeiten vorliegen.

Ebenso wichtig ist Transparenz in der Lieferkette: Vom Bienenvolk bis ins Verkaufsregal soll klar sein, woher ein Honig stammt. Digitale Systeme oder sogar Blockchains können hier helfen.

Betrug erkennen – und verhindern

Die Verfälschung von Honig hat viele Gesichter: Zusätze von Sirup, Entfernung von Pollen, falsche Etiketten oder manipulierte Dokumente. Darum braucht es ein Bündel an Maßnahmen:

  • strenge Kontrollen an den Grenzen und im Handel,
  • eine lückenlose Rückverfolgbarkeit,
  • regelmäßige Audits bei Erzeugern und Abfüllern,
  • und internationale Zusammenarbeit der Behörden.

Nur so lässt sich verhindern, dass Betrüger immer einen Schritt voraus sind. Hilfreich wäre eine internationale Taskforce, die Honigbetrug systematisch bekämpft. Damit echte Imkerarbeit auch künftig geschützt bleibt.

Voraussetzungen für verlässliche Analysen

Angesichts der Diskussion um neue Analysemethoden stellt das gemeinsame Statement auch heraus, dass klare Standards notwendig sind, damit eine Methode gegen Honigbetrug belastbar ist. Dies ist normalerweise wissenschaftlicher Konsens. So ist zuerst eine Akkreditierung nötig, etwa nach ISO 17025, und die Teilnahme an Ringversuchen, damit die Ergebnisse unterschiedlicher Labore vergleichbar sind.

Ebenso wichtig sind definierte Nachweisgrenzen und Messunsicherheiten. Nur so lassen sich Resultate zuverlässig einordnen. Grundlage müssen zudem authentische, unverfälschte Referenzproben mit vollständigen Metadaten sein.

Schließlich braucht es Schwellenwerte, die unbeabsichtigte Reste von Bienenfutter im Honig von absichtlicher Verfälschung unterscheiden. Denn nicht jede Spur von Zucker im Honig ist automatisch Betrug.

Nur unter diesen Bedingungen gelten Analysen als valide – und können wirksam im Kampf gegen Honigfälschungen eingesetzt werden.

Fazit

Honig ist ein Naturprodukt, das unsere Bienen und Imker mit viel Arbeit und Verantwortung hervorbringen. Sein Schutz vor Betrug ist unverzichtbar – für faire Märkte, für das Vertrauen der Verbraucher und für die Zukunft der Imkerei.

 

Gemeinsame Erklärung  

Eurobee 2025 am Bodensee

Translator
Translator
Translator

 Am 7-9 November ist die Eurobee in Friedrichshafen am Bodensee! Dieses event ist zum 5ten mal dort unten in den Messehallen.

 

Hier die Fahrt und einige Eindrücke in Bildern festgehalten.

 

 

Freitag, 5. September 2025

Die Wildbiene des Jahres 2025

Translator

 Die Garten-Blattschneiderbiene: Wildbiene des Jahres 2025. Die Garten-Blattschneiderbiene wurde zur Wildbiene des Jahres 2025 gekürt – ein verdienter Titel für die faszinierende Sommerbiene. Auch bekannt auch als „Tapezierbiene“ oder „Blumentopfbiene“, beeindruckt sie durch ihre ungewöhnliches Nist- und Balzverhalten.



Die Biene und der Klimawandel

 Der Klimawandel beeinflusst Bienen negativ, indem er zu einer zeitlichen Fehlabstimmung zwischen Blütezeiten der Pflanzen und der Aktivität der Bienen führt, was Nahrungsmangel zur Folge hat. Steigende Temperaturen begünstigen zudem das frühere Erwachen aus der Winterruhe und eine höhere Vermehrung von Schädlingen wie der Varroamilbe. Viele Wildbienenarten sind besonders betroffen, da sich ihr Lebensraum verkleinert und sie gezwungen sind, in höhere Lagen abzuwandern, wo sie auf eine verringerte Blütenvielfalt treffen. 

Auswirkungen auf Wildbienen:
  • Veränderte Lebensräume:
    Wildbienen müssen in höhere Lagen ziehen, um geeignete klimatische Bedingungen zu finden. Dies verengt ihren Lebensraum und reduziert die verfügbaren Nistplätze und Nahrungsquellen. 
  • Verlust an Spezialisierung:
    Viele Wildbienen sind hochspezialisiert und auf bestimmte Pflanzen angewiesen. Wenn sich die Blütezeiten dieser Pflanzen verschieben, kann dies zum Überlebensrisiko für die Bienenarten werden. 
Auswirkungen auf Honigbienen:
  • Früheres Erwachen:
    Mildere Winterbedingungen führen dazu, dass die Bienen früher aus ihrer Winterruhe erwachen und so bereits früh im Jahr eine höhere Volksstärke aufbauen müssen. 
  • Trachtlücken:
    Die Verschiebung der Blütezeiten kann dazu führen, dass die Obstblüte und die Rapsblüte zeitgleich erfolgen. Nach der Rapsblüte können dann Lücken im Nahrungsangebot entstehen, da wenig andere Pflanzen blühen. 
    Schädlinge und Krankheiten:
    Der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung neuer Schädlinge wie der Asiatischen Hornisse oder des Kleinen Beutenkäfers. Auch die Vermehrung von Parasiten wie der Varroamilbe wird durch die milderen Winter und die Möglichkeit zur Winterbrut gefördert. 

  • Mögliche Maßnahmen:
  • Förderung der Vielfalt:
    Es ist sinnvoll, bienenfreundliche, mehrjährige Pflanzen wie Bäume und Sträucher zu pflanzen, deren Wurzeln tiefer reichen und die auch bei Trockenheit Nektar produzieren. 
  • Anpassung in der Imkerei:
    Die züchterische Unterstützung der Bienen muss auf die Anpassung an die Geschwindigkeit des Klimawandels abzielen, um Verluste durch Krankheiten zu vermeiden. 

  • Anlegen von Blühflächen:
    Die Schaffung von bienenfreundlichen Flächen mit einer größeren Vielfalt an Blütenpflanzen kann dazu beitragen, Lücken im Nahrungsangebot zu schließen. 
  • Wie können wir die Bienen schützen?
    Alles, was den Klimawandel aufhält, wird natürlich auch den Bienen helfen! Darüber hinaus sollten wir versuchen, artenreiche, vernetzte Lebensräume in der Landwirtschaft zu schaffen, wie zum Beispiel Hecken, Alleen oder Blühstreifen, die Futterquellen für Bienen, aber auch anderen Insekten bieten. Hier ist nicht nur der Gesetzgeber, sondern auch wir alle als Verbraucher sind in der Verantwortung. Unsere Kaufentscheidungen bei Lebensmitteln beeinflussen maßgeblich die Produktionsbedingungen in der Landwirtschaft. Und wer Honig bei den Imker:innen aus der Nachbarschaft kauft, unterstützt die lokale Bienenpopulation und reduziert die teilweise langen Transportwege von preiswertem Supermarkt-Honig.
    Eine weitere wichtige Aufgabe ist der Erhalt der genetischen Vielfalt der Honigbienenrassen weltweit. In Deutschland und Österreich wurde eine Unterart der Westlichen Honigbiene erfolgreich auf eine hohe Honigleistung und Sanftmut gezüchtet. Daher wird sie in großem Maße weltweit exportiert und verdrängt die heimischen Rassen, die besser mit wärmerem und trockenerem Klima – zum Beispiel im Nahen Osten oder in Asien – klarkommen. Wir befürchten, dass dort der Klimawandel besonders hart zuschlagen wird und dann auf Honigbienen trifft, die noch nicht einmal mit den aktuellen Klimabedingungen in diesen Ländern zurechtkommen. Daher fordern wir, dass Honigbienen nicht mehr aus Deutschland exportiert werden sollten. Die einheimischen Honigbienenarten können sich besser an die klimatischen Bedingungen und die lokalen Parasiten anpassen. Eine genetische Vielfalt der Honigbienen ist Grundbedingung für die Anpassung an den Klimawandel.
  • Montag, 28. Juli 2025

    Belegstelle

    Translator

     

    Eine Bienenbelegstelle ist ein speziell eingerichteter und geschützter Ort in der Bienenzucht, der dazu dient, die kontrollierte Paarung von jungen, unbegatteten Bienenköniginnen mit ausgewählten Drohnen zu ermöglichen. Das primäre Ziel ist die gezielte Reinzucht von Honigbienen einer bestimmten Rasse (z.B. Carnica, Buckfast, Dunkle Biene), um deren genetische Eigenschaften zu erhalten und zu verbessern.

    Hier sind die Hauptmerkmale und der Zweck einer Bienenbelegstelle:

    Zweck einer Bienenbelegstelle

    • Gezielte Reinzucht: Bienenköniginnen paaren sich in der Luft mit mehreren Drohnen. Auf einer Belegstelle wird sichergestellt, dass nur Drohnen der gewünschten Rasse und Zuchtlinie in der Umgebung vorhanden sind, um eine "Fremdbegattung" zu verhindern. Dies ist entscheidend, um die Zuchtziele zu erreichen und die genetische Reinheit einer Linie zu gewährleisten.

    • Verbesserung von Eigenschaften: Durch die gezielte Anpaarung können positive Eigenschaften wie Sanftmut, Schwarmträgheit, Honigleistung, Krankheitsresistenz (z.B. Varroatoleranz) und Winterhärte gezielt weitergegeben und verstärkt werden.

    • Qualitätssicherung: Nur begattete und legende Königinnen werden in der Regel von der Belegstelle zurück an die Imker gegeben. Dies reduziert das Risiko von Fehlbegattungen oder unbegatteten Königinnen im eigenen Bienenstand.

    Aufbau und Schutz einer Belegstelle

    Eine Belegstelle zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

    1. Isolierte Lage: Belegstellen müssen in Gebieten liegen, die von anderen Bienenständen räumlich isoliert sind. Das können sein:

      • Inselbelegstellen: Auf Inseln (z.B. in der Nord- oder Ostsee), wo die Wahrscheinlichkeit, dass fremde Drohnen vom Festland einfliegen, extrem gering ist.

      • Hochgebirgsbelegstellen: In abgelegenen Hochgebirgstälern, die natürliche Barrieren gegen den Eintrag von Fremdbienen bieten.

      • Landbelegstellen: Auf dem Festland, die durch einen gesetzlich festgelegten Schutzradius (oft 7-10 km) umgeben sind. Innerhalb dieses Schutzradius ist es verboten, andere Bienenrassen oder nicht der Belegstelle gemeldete Bienenvölker zu halten. Die Einhaltung wird durch die zuständigen Behörden (Veterinäramt, Imkerverbände) kontrolliert.

    2. Drohnenvölker (Vatervölker): Auf der Belegstelle werden spezielle Bienenvölker aufgestellt, die nur einen Zweck haben: die Produktion einer großen Anzahl von Drohnen der gewünschten Zuchtlinie. Diese Drohnen sind genetisch sorgfältig ausgewählt und stammen von leistungsstarken und reinrassigen Muttertieren ab.

    Ablauf auf einer Belegstelle

    1. Vorbereitung der Jungköniginnen: Der Züchter oder Imker bereitet kleine Völkchen vor, sogenannte Begattungseinheiten oder Begattungskästchen (oft Mini-Plus-Kästchen oder Kieler Begattungskästchen). Diese enthalten eine kleine Anzahl Arbeiterinnen (ca. 1000 Bienen), Futter und eine junge, unbegattete Königin, die meist kurz vor dem Schlupf steht oder frisch geschlüpft ist.

    2. Anlieferung zur Belegstelle: Die Begattungseinheiten werden zum festgelegten Zeitpunkt zur Belegstelle gebracht. Oft gibt es feste Anlieferungs- und Abholtage.

    3. Begattungsflug: Nach einigen Tagen Eingewöhnung und bei gutem Flugwetter fliegt die junge Königin von ihrem Begattungskästchen aus zu den Drohnensammelplätzen in der Umgebung. Dort trifft sie auf eine große Anzahl von Drohnen, darunter die gewünschten Drohnen der Belegstelle. Sie paart sich auf einem oder mehreren Hochzeitsflügen mit mehreren Drohnen (bis zu 15-20 Drohnen) und speichert deren Spermien in ihrer Spermatheka.

    4. Eiablage und Kontrolle: Nach erfolgreicher Begattung kehrt die Königin in ihr Begattungskästchen zurück und beginnt nach einigen Tagen mit der Eiablage. Die Zuchtwarte der Belegstelle überprüfen die Königinnen, ob sie erfolgreich in Eiablage gegangen sind und ob die Brut einheitlich und vital ist, was ein Zeichen für eine erfolgreiche Begattung mit den gewünschten Drohnen ist.

    5. Rücksendung/Abholung: Die begatteten und legenden Königinnen werden dann an die Imker zurückgegeben, die sie in ihre größeren Wirtschaftsvölker einweiseln können, um die gewünschten Eigenschaften in ihrem Bestand zu etablieren.

    Eine Bienenbelegstelle ist somit ein zentraler Baustein in der professionellen und qualitätsorientierten Bienenzucht, der dazu beiträgt, die Vitalität, Gesundheit und Leistung der Honigbienenpopulationen zu sichern und weiterzuentwickeln.

    Die Varroamilbe

    Translator

     

    Die Varroamilbe () ist eine der größten Bedrohungen für Honigbienen weltweit. Da die Milben Resistenzen gegen einige der älteren chemischen Behandlungen entwickeln und Imker immer mehr nach bienenfreundlicheren und rückstandsfreien Methoden suchen, gibt es ständig neue Forschungen und Entwicklungen.

    Es gibt nicht die eine neue Behandlung, sondern eher eine Weiterentwicklung und Kombination verschiedener Ansätze:

    1. Biotechnische Verfahren (nicht-chemische Methoden)

    Diese Methoden nutzen die Biologie der Bienen und Milben aus und sind oft chemiefrei:

    • Drohnenbrutentnahme (Drohnenschnitt): Die Varroamilbe bevorzugt Drohnenbrut, da die Entwicklungszeit der Drohnen länger ist. Indem man verdeckelte Drohnenbrut regelmäßig aus dem Volk entfernt und einschmilzt, werden viele Milben noch vor ihrer Vermehrung aus dem Volk genommen.

    • Künstliche Brutunterbrechung / Bannwabenverfahren: Hier wird der Brutzyklus des Bienenvolkes gezielt unterbrochen, indem die Königin für eine bestimmte Zeit eingesperrt wird oder die gesamte Brut bis auf eine "Bannwabe" entfernt wird. Ohne Brut können sich die Milben nicht fortpflanzen und verhungern oder fallen ab. Die Bannwabe, auf der sich die Milben dann sammeln, wird nach einiger Zeit entnommen und zerstört.

    • Totale Brutentnahme: Alle Brutwaben werden aus dem Volk entfernt und entweder vernichtet oder, falls möglich, die gesunde Brut anderweitig verwendet. Das Volk muss dann eine neue Brut anlegen. Dies schafft eine brutfreie Phase, in der die Milben besonders anfällig sind.

    • Thermische Behandlung (Hyperthermie): Hierbei wird die Brut auf eine Temperatur erhitzt, die für die Milben tödlich ist, den Bienenlarven aber nicht schadet. Diese Methode erfordert spezielle Geräte und Erfahrung.

    2. Weiterentwickelte oder neue chemische Behandlungen (auf Basis von Säuren und anderen Wirkstoffen)

    Obwohl der Trend zu chemiefreien Methoden geht, bleiben bewährte Säurebehandlungen wichtig und werden optimiert:

    • Oxalsäure (verdampfen, träufeln, sprühen): Oxalsäure ist eine bewährte Methode, besonders effektiv in brutfreien Völkern (z.B. im Winter), da sich die Milben dann auf den Bienen befinden und direkt mit der Säure in Kontakt kommen.

      • Verdampfung: Hier wird feste Oxalsäure im Stock verdampft, was einen feinen Säureschleier im Bienenstock verteilt. Moderne Verdampfer wie "Varrox Eddy" sollen die Anwendung einfacher und sicherer machen.

      • Träufeln: Eine Oxalsäurelösung wird direkt auf die Bienen geträufelt. Produkte wie "Varroxal" oder "Bienenwohl" sind dafür zugelassen.

      • Sprühen: Insbesondere für Schwärme oder Kunstschwärme kann eine Oxalsäurelösung auch gesprüht werden.

    • Ameisensäure: Wird häufig im Spätsommer eingesetzt, oft über Verdunster, die eine langsame Abgabe gewährleisten. Es gibt verschiedene Verdunster (z.B. Liebig-Dispenser, Nassenheider-Verdunster).

    • Thymol: Ein natürlicher Wirkstoff aus Thymianöl, der ebenfalls in Form von Gelen oder Streifen im Stock angewendet wird.

    • Lithiumchlorid (Forschung): Dies ist ein vielversprechender neuer Ansatz aus der Forschung. Wissenschaftler der Universität Hohenheim haben herausgefunden, dass geringe Mengen Lithiumchlorid, die den Bienen über Zuckerwasser gefüttert werden, die auf den Bienen aufsitzenden Milben abtöten können, ohne den Bienen, dem Imker oder dem Honig zu schaden. Dieses Mittel befindet sich noch in der Entwicklung und Zulassung.

    3. Monitoring und angepasste Behandlungsstrategien

    Ein wichtiger Aspekt "neuer" Behandlungen ist auch das verbesserte Monitoring des Milbenbefalls, um Behandlungen gezielter und bedarfsgerechter einzusetzen:

    • Varroaschalen: Diese werden unter das Gitter im Bienenstock geschoben, um den natürlichen Milbenfall zu messen. So kann der Imker den Befallsgrad besser einschätzen und entscheiden, wann und ob eine Behandlung notwendig ist.

    • Puderzuckermethode / Auswaschmethode: Diese Methoden dienen ebenfalls der Befallsermittlung, um den Zeitpunkt und die Art der Behandlung anzupassen.

    • Integrierte Varroabekämpfungskonzepte: Statt nur einer Methode wird ein Jahresverlaufskonzept empfohlen, das verschiedene biotechnische und chemische Methoden kombiniert, um die Milbenpopulation über das Jahr verteilt unter Kontrolle zu halten.

    4. Züchtung von Varroaresistenten Bienen

    Langfristig wird intensiv an der Züchtung von Bienenrassen geforscht, die eine natürliche Resistenz oder verbesserte Abwehrmechanismen gegen die Varroamilbe besitzen. Dazu gehören:

    • Hygieneverhalten (Varroa Sensitive Hygiene - VSH): Bienen mit ausgeprägtem Hygieneverhalten erkennen und entfernen varroabefallene Brutzellen.

    • Grooming-Verhalten: Bienen, die sich gegenseitig von Milben befreien (abknabbern).

    • Genetische Selektion: Forscher suchen nach genetischen Markern, die mit Varroaresistenz korrelieren, um gezielt widerstandsfähigere Königinnen zu züchten.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass "neue" Behandlungen gegen die Varroa-Milbe oft eine Kombination aus:

    • Verbesserten biotechnischen Verfahren

    • Optimierten Anwendungen bekannter Wirkstoffe (insbesondere Oxalsäure)

    • Vielversprechenden neuen Wirkstoffen (wie Lithiumchlorid in der Forschung)

    • Präziserem Monitoring des Befalls

    • Langfristiger Züchtung resistenter Bienenrassen

    bestehen. Das Ziel ist immer, die Bienen so wenig wie möglich zu belasten, Rückstände im Honig zu vermeiden und die Effektivität der Bekämpfung zu maximieren.

    Abschied von Dr. Gerhard Liebig

      Dr. Gerhard Liebig ist am 19. Mai 2026 verstorben. Mit ihm verlieren die Imkerei und die Bienenkunde eine der prägenden Stimmen der letz...