Jetzt den Bienen gegen die Varroa-Milbe helfen

Bienengesundheit – Nur mit gezielter Kombination von Sommer- und Winterbehandlung ist dem derzeit gefürchtetsten Bienenschädling beizukommen.
 Gegen Ende des Bienenjahres rückt die Bekämpfung der Varroamilbe besonders in den Blickpunkt der Imker. Wenn im Herbst die Anzahl an Arbeitsbienen von fast 60.000 zur Zeit des höchsten Entwicklungsstandes im Juni/Juli auf weniger als 20.000 zurückgeht, dann kann sich ein Befall mit der Varroamilbe sehr kritisch auswirken. Höchste Gefahr für das Bienenvolk besteht insbesondere dann, wenn parallel zur Abnahme der Bienenzahl die Anzahl der Milben steigt.
Bienenvölker brechen völlig zusammen
Bereits mehrere tausend Milben können die gesamte Sozialstruktur des hoch entwickelten Bienenstaates schlagartig zerstören. Oftmals verlassen in einer solchen Situation die Arbeitsbienen panikartig ihr Volk. Nur die Königin bleibt mit einer Handvoll Bienen in einem nicht überlebensfähigen Umfeld zurück. Immer wieder konnte beobachtet werden, dass derartige Bienenvölker noch kurze Zeit vor dem Zusammenbruch Spitzenerträge an Honig geliefert hatten, sich in der Folge aber der für die Varroa typische Zusammenbruch nicht mehr verhindern lies. Für den Imker heißt das, mit gezielten Abwehrmaßnahmen und rechtzeitig gegen eine Massenvermehrung der Varroamilbe anzukämpfen.

Milbe reagiert empfindlich auf Säuren

Je größer ein Parasit im Vergleich zu seinem Wirt gewachsen ist, desto schwieriger ist allgemein im Bereich der Insekten seine Bekämpfung. Bei der Bekämpfung der Varroamilbe kommt den Imkern zum Glück jedoch eine physiologische Besonderheit der Varroamilbe entgegen. Die Milbe kommt wegen der Empfindlichkeit ihrer Tracheenöffnungen gegenüber Verätzungen durch Säuren oder Säuredämpfe weit schlechter zurecht als die Honigbiene. Bereits eine Übersäuerung des Körpers hemmt die Varroamilbe wirksam. Seit den 1980er-Jahren werden daher organische Säuren wie Milchsäure und vor allem auch Ameisensäure als Varroabekämpfungsmittel eingesetzt. Entscheidend verbessert hat die Ausbringung der Ameisensäure schließlich die Einführung von Langzeitverdunstern. Damit wurden die Bienenverträglichkeit und der Wirkungsgrad der Behandlungen enorm gesteigert.

Sofort nach letzter Schleuderung handeln
Entscheidend für den Erfolg einer Sommerbehandlung mit Ameisensäure ist eindeutig der Zeitpunkt. Um zu verhindern, dass die Varroa noch in hohem Ausmaß die Winterbienen (durch Anstechen und Saugen) schädigt, sollte die Anwendung von Ameisensäure und auch von anderen Bekämpfungsmitteln (wie z. B. „Thymovar“) sofort nach der letzten Schleuderung erfolgen – somit, wenn möglich, noch Ende Juli, spätestens aber Anfang August.
Da aber auch nach erfolgreicher Sommerbehandlung eine Reinfektion mit Varroen (z. B. aus zusammengebrochenen Völkern) niemals ausgeschlossen werden kann, muss auf jeden Fall auch eine Winterbehandlung mit Oxalsäure durchgeführt werden. Oxalsäure ist ebenfalls eine organische Säure, die so wie Ameisen- und Milchsäure in Spuren auch im Honig natürlich vorkommt. Da die Oxalsäure jedoch nicht wie die Ameisensäure durch die Zelldeckel hindurch auf die Milben in der Bienenbrut wirkt, darf das Aufträufeln von Oxalsäurelösung bzw. das Verdampfen von Oxalsäuretabletten nur in völlig brutfreien Bienenvölkern in der kalten Jahreszeit vorgenommen werden.

Schulungsangebot der Imkereiverbände
Um eine einheitliche sowie auch den jeweiligen Verhältnissen der einzelnen Imker angepasste Bekämpfungsweise sicherzustellen, bieten die Imkereiverbände über ihre Orts- und Bezirksgruppen Schulungen und Varroaseminare an. Die Kosten dieser Bildungsmaßnahmen werden im Wesentlichen durch die Imkereiförderung getragen. Die Bildungsveranstaltungen wurden in den vergangenen Jahren durch die Imkerschaft sehr gerne angenommen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die große Mehrheit der österreichischen Imker durch gezielte Kombination von Sommer- und Winterbehandlung die Varroa sehr gut im Griff hat.

Wolfgang Messner

Bienenjahr in der Zielgeraden

Während in den Ackerbauregionen derzeit noch die Sonnenblumen blühen und vereinzelt auch noch der Wald schwach honigt, bereiten sich die Imker auf die Abschlussarbeiten der heurigen Saison vor. In erster Linie muss den Bienen zumindest ein Teil des geernteten Honigs, der ja als Wintervorrat gesammelt wurde, in Form verdaulichen Invertzuckersirupen „rückerstattet“ werden. Die Einfütterung sollte gleich nach der letzten Honigschleuderung begonnen werden. Damit werden Hungerphasen vermieden und die Bienen können den zur Überwinterung tauglichen Fütterungshonig einlagern

Alljährliche Behandlung ist notwendig

Milben nehmen unter den Krankheitserregern der Honigbiene eine besondere Stellung ein. Diese Spinnentiere kommen als mikroskopisch kleine „Tracheenmilbe“ in den feinen Atmungsorganen der Biene vor sowie als unvergleichlich größere Varroamilbe (Varroa destructor), die bei einer Körpergröße von mehr als einem Quadratmillimeter mit freiem Auge gut sichtbar ist. Während die Tracheenmilbe heute keine praktische Relevanz mehr hat, ist die Varroamilbe seit Beginn der 1980er-Jahre zu einer höchst gefährlichen Bedrohung für unsere Bienenvölker geworden.
Der Parasit hat sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet in Ostasien. Die dortigen Honigbiehen (Apis cerana) sind mit dem Schädling in einer Art Gleichgewichtszustand. Dies ist bedingt durch das aggressive Putzverhalten und die im Vergleich zu unseren Bienen (Apis melifera) kürzere Entwicklungsdauer. Da sich die Varroa nur in geschlossener (verdeckelter) Bienenbrut vermehren kann, ist die Entwicklungsdauer der Brut ein entscheidender Einflussfaktor für die Vermehrungsrate der Milbe. Erst der Mensch hat ungewollterweise durch das Verbringen von Bienen über die topografische Barriere des Himalaja hinweg die Voraussetzungen geschaffen, dass der Schädling aus seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet ausbrechen konnte. Die Auswirkungen des Varroabefalls auf ein Bienenvolk sind dramatisch. Der hoch spezialisierte Parasit kann sich auf praktisch unlösbare Weise in das Haarkleid der Bienen verkrallen. Andererseits ist er hochmobil und jederzeit in der Lage, unmittelbar vor dem Verdeckeln in einer passenden Brutzelle unterzutauchen. Hoher Milbenbefall ist durch das verbreitete Auftreten verstümmelter oder unterentwickelter Jungbienen erkennbar. Die Milbe setzt aber auch der erwachsene Bienen durch die Einstiche in die weichen Hautpartien des Bienenkörpers zu. Die dadurch verursachten Wunden sind eine willkommene Eintrittspforte für eine Reihe mikrobieller Krankheitserreger (insbesondere Viren).
Der fatale Siegeszug der Varroa ging seit den 1980er-Jahren rasant weiter und machte auch vor anderen Kontinenten nicht halt. Mittlerweile ist lediglich Australien mit äußerst restriktiven Einfuhrbeschränkungen von dieser Geißel verschont geblieben. Schmerzlich war aber auch die Erkenntnis, dass es keine Möglichkeit gibt, den Parasiten jemals wieder endgültig loszuwerden, womit aber auch die Notwendigkeit verbunden ist, die Bienenvölker permanent alljährlich zu behandeln.

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